Wie der „Impuls zmittag“ in Kreuzlingen ein Jahr lang Menschen aus drei Ländern
zusammenbrachte
zusammenbrachte
Benjamin Arntzen,
Ein Jahr lang, jeden Mittwoch, deckte das Open Place Kreuzlingen den Tisch – und 52 Mal kamen Menschen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, um gemeinsam zu essen, zuzuhören und sich zu begegnen. Eine Bilanz des Projekts „Impuls zmittag“.
Es beginnt unspektakulär: ein gedeckter Tisch, der Geruch von frisch zubereitetem Essen, ein paar Stühle, die zurechtgerückt werden. Doch was sich vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 jeden Mittwoch im Open Place in Kreuzlingen abgespielt hat, war mehr als eine gemeinsame Mahlzeit. Der „Impuls zmittag“, durchgeführt in Kooperation mit dem Netzwerk BE und gefördert durch den IBK-Kleinprojektefonds, hat sich in nur einem Jahr zu einem festen Treffpunkt im Dreiländereck entwickelt.
Die Zahlen sprechen für sich: An allen 52 Mittwoch-Terminen fand der Mittagstisch statt, getragen von jeweils drei ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Zwölf inhaltliche Impulse mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten begleiteten das Format und brachten allein in der Kirche Kurzrickenbach insgesamt 380 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.
Ein niederschwelliges Format mit Tiefgang
Das Konzept ist bewusst einfach gehalten – und genau darin liegt seine Stärke. Wer kommt, muss sich nicht anmelden, keinen Beitrag leisten, keine Vorkenntnisse mitbringen. Es reicht, sich an den Tisch zu setzen. Diese Niederschwelligkeit zog Woche für Woche Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur an: Schweizerinnen und Schweizer aus Kreuzlingen und Umgebung, Deutsche aus dem Konstanzer Raum, Gäste aus Österreich, dazu Menschen mit Migrationsgeschichte aus aller Welt.
„Impuls zmittag“ versteht sich nicht als Veranstaltung, sondern als Gemeinschaft auf Zeit. Persönliche Kontakte entstanden, die über den Projektrahmen hinausreichen – und das Projekt zeigt, dass regelmäßige, unkomplizierte Begegnungsformate nachhaltig zur Vernetzung im Dreiländereck beitragen können.
Zwölf Impulse, zwölf Perspektiven
Eingebettet in den Mittagstisch wurden zwölf thematische Impulse durchgeführt, die jeweils einen anderen gesellschaftlichen Akteur, Künstler oder eine Institution ins Zentrum stellten. Das Spektrum reichte von Sozialberatung über Hochschulthemen bis zu Kunst und Kulinarik:
04.06.2025 — Netzwerk BE & OP: Projektvorstellung
02.07.2025 — HTWG Konstanz: Ankommen. Glaube und Religion
06.08.2025 — Stiftung Vidnova
03.09.2025 — Caritas Konstanz, Sozialberatung
01.10.2025 — Livin Museum Kreuzlingen
05.11.2025 — Baukommission Kreuzlingen & Art Light
26.11.2025 — Nina Schläfli, Nationalrätin
26.11.2025 — Unabhängige Fachstelle Sozialrecht Zürich
10.12.2025 — Mona liebt Aroma – Mona Hiermeier
17.01.2026 — Trommelworkshop mit Massa Dembelé
04.02.2026 — Empower Her
04.03.2026 — Perspektive Thurgau
Wenn Musik Grenzen aufhebt
Ein besonderes Highlight war der Trommelworkshop mit Massa Dembelé am 17. Januar in der Kirche Kurzrickenbach. Was diesen Moment besonders machte, war die integrative Kraft der Musik: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und sozialer Lage fanden sich im gemeinsamen Rhythmus zusammen. Bildungsabschlüsse, wirtschaftliche Verhältnisse und soziale Hintergründe verloren für ein paar Stunden ihre trennende Wirkung. Es entstand eine Form von Begegnung auf Augenhöhe, die in anderen Formaten kaum erreichbar ist.
Über den Mittwoch hinaus
Die Gemeinschaft, die am Mittagstisch entstand, blieb nicht auf den Mittwoch beschränkt. Eine Gruppe von rund zehn Personen besuchte die Ausstellung im Konstanzer Turm zur Katz, die sich dem Thema Glaube und Migration widmete – und wichtige Impulse für das gemeinsame Nachdenken über Zugehörigkeit und Heimat gab. Ein weiterer Ausflug führte in die Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Konstanz, wo Fragen der Ökumene im Mittelpunkt standen.
Auch die regionale Vernetzung wuchs: Die Zusammenarbeit mit der AGJ Konstanz wurde durch einen Besuch der Zweigstelle in Radolfzell ausgebaut, die Kooperation mit der Caritas Konstanz intensiviert. Einen praktischen wie symbolischen Beitrag leistete die Foodsharing-Initiative „verwertBar“, die an vielen Mittwochabenden Lebensmittel lieferte, aus denen das Mittagessen direkt zubereitet wurde – Nachhaltigkeit und Gemeinschaft am selben Tisch.
Getragen von einem breiten Netzwerk
Möglich wurde all das durch ein tragfähiges Netzwerk: die HTWG Konstanz, das Kulturamt Konstanz, die Unabhängige Fachstelle Sozialrecht Zürich, Caritas Konstanz und Caritas Thurgau, Perspektive Thurgau, Art Light St. Gallen, die Schule Bernrain, verwertBar, das Livin Museum Kreuzlingen, Massa Dembelé, Mona Hiermeier und viele weitere Akteurinnen und Akteure. Die breit verteilte Verantwortung sorgte dafür, dass niemand überfordert wurde, und eine klare Aufgabenteilung erleichterte die Umsetzung erheblich.
Besonders tragend war das ehrenamtliche Engagement: Ohne die Helferinnen und Helfer, die Woche für Woche kochten, deckten, abräumten und Gespräche moderierten, hätte das Format in dieser Form nicht stattfinden können.
Wie es weitergeht
„Impuls zmittag“ endet nicht mit dem Projektzeitraum. Das Format wird unter dem Namen „Impuls“ zu einem festen Bestandteil der Arbeit im Open Place Kreuzlingen weiterentwickelt – jedoch in angepasster Form. Der Mittwochnachmittag als fester Termin wird aufgegeben, um flexibler und für eine breitere Zielgruppe zugänglich zu werden. „Wir wollen Menschen erreichen, die bislang aus zeitlichen oder strukturellen Gründen nicht teilnehmen konnten“, heißt es aus dem Projektteam.
Der Bedarf ist da, die Nachfrage aus der Region ebenfalls. „Impuls“ soll diesem Bedarf langfristig gerecht werden – als etabliertes, niederschwelliges Begegnungsformat im Dreiländereck. Damit der Tisch gedeckt bleibt. Und damit weiterhin Menschen daran Platz nehmen, die sich anderswo vielleicht nie begegnet wären.
Es beginnt unspektakulär: ein gedeckter Tisch, der Geruch von frisch zubereitetem Essen, ein paar Stühle, die zurechtgerückt werden. Doch was sich vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 jeden Mittwoch im Open Place in Kreuzlingen abgespielt hat, war mehr als eine gemeinsame Mahlzeit. Der „Impuls zmittag“, durchgeführt in Kooperation mit dem Netzwerk BE und gefördert durch den IBK-Kleinprojektefonds, hat sich in nur einem Jahr zu einem festen Treffpunkt im Dreiländereck entwickelt.
Die Zahlen sprechen für sich: An allen 52 Mittwoch-Terminen fand der Mittagstisch statt, getragen von jeweils drei ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Zwölf inhaltliche Impulse mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten begleiteten das Format und brachten allein in der Kirche Kurzrickenbach insgesamt 380 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.
Ein niederschwelliges Format mit Tiefgang
Das Konzept ist bewusst einfach gehalten – und genau darin liegt seine Stärke. Wer kommt, muss sich nicht anmelden, keinen Beitrag leisten, keine Vorkenntnisse mitbringen. Es reicht, sich an den Tisch zu setzen. Diese Niederschwelligkeit zog Woche für Woche Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur an: Schweizerinnen und Schweizer aus Kreuzlingen und Umgebung, Deutsche aus dem Konstanzer Raum, Gäste aus Österreich, dazu Menschen mit Migrationsgeschichte aus aller Welt.
„Impuls zmittag“ versteht sich nicht als Veranstaltung, sondern als Gemeinschaft auf Zeit. Persönliche Kontakte entstanden, die über den Projektrahmen hinausreichen – und das Projekt zeigt, dass regelmäßige, unkomplizierte Begegnungsformate nachhaltig zur Vernetzung im Dreiländereck beitragen können.
Zwölf Impulse, zwölf Perspektiven
Eingebettet in den Mittagstisch wurden zwölf thematische Impulse durchgeführt, die jeweils einen anderen gesellschaftlichen Akteur, Künstler oder eine Institution ins Zentrum stellten. Das Spektrum reichte von Sozialberatung über Hochschulthemen bis zu Kunst und Kulinarik:
04.06.2025 — Netzwerk BE & OP: Projektvorstellung
02.07.2025 — HTWG Konstanz: Ankommen. Glaube und Religion
06.08.2025 — Stiftung Vidnova
03.09.2025 — Caritas Konstanz, Sozialberatung
01.10.2025 — Livin Museum Kreuzlingen
05.11.2025 — Baukommission Kreuzlingen & Art Light
26.11.2025 — Nina Schläfli, Nationalrätin
26.11.2025 — Unabhängige Fachstelle Sozialrecht Zürich
10.12.2025 — Mona liebt Aroma – Mona Hiermeier
17.01.2026 — Trommelworkshop mit Massa Dembelé
04.02.2026 — Empower Her
04.03.2026 — Perspektive Thurgau
Wenn Musik Grenzen aufhebt
Ein besonderes Highlight war der Trommelworkshop mit Massa Dembelé am 17. Januar in der Kirche Kurzrickenbach. Was diesen Moment besonders machte, war die integrative Kraft der Musik: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und sozialer Lage fanden sich im gemeinsamen Rhythmus zusammen. Bildungsabschlüsse, wirtschaftliche Verhältnisse und soziale Hintergründe verloren für ein paar Stunden ihre trennende Wirkung. Es entstand eine Form von Begegnung auf Augenhöhe, die in anderen Formaten kaum erreichbar ist.
Über den Mittwoch hinaus
Die Gemeinschaft, die am Mittagstisch entstand, blieb nicht auf den Mittwoch beschränkt. Eine Gruppe von rund zehn Personen besuchte die Ausstellung im Konstanzer Turm zur Katz, die sich dem Thema Glaube und Migration widmete – und wichtige Impulse für das gemeinsame Nachdenken über Zugehörigkeit und Heimat gab. Ein weiterer Ausflug führte in die Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Konstanz, wo Fragen der Ökumene im Mittelpunkt standen.
Auch die regionale Vernetzung wuchs: Die Zusammenarbeit mit der AGJ Konstanz wurde durch einen Besuch der Zweigstelle in Radolfzell ausgebaut, die Kooperation mit der Caritas Konstanz intensiviert. Einen praktischen wie symbolischen Beitrag leistete die Foodsharing-Initiative „verwertBar“, die an vielen Mittwochabenden Lebensmittel lieferte, aus denen das Mittagessen direkt zubereitet wurde – Nachhaltigkeit und Gemeinschaft am selben Tisch.
Getragen von einem breiten Netzwerk
Möglich wurde all das durch ein tragfähiges Netzwerk: die HTWG Konstanz, das Kulturamt Konstanz, die Unabhängige Fachstelle Sozialrecht Zürich, Caritas Konstanz und Caritas Thurgau, Perspektive Thurgau, Art Light St. Gallen, die Schule Bernrain, verwertBar, das Livin Museum Kreuzlingen, Massa Dembelé, Mona Hiermeier und viele weitere Akteurinnen und Akteure. Die breit verteilte Verantwortung sorgte dafür, dass niemand überfordert wurde, und eine klare Aufgabenteilung erleichterte die Umsetzung erheblich.
Besonders tragend war das ehrenamtliche Engagement: Ohne die Helferinnen und Helfer, die Woche für Woche kochten, deckten, abräumten und Gespräche moderierten, hätte das Format in dieser Form nicht stattfinden können.
Wie es weitergeht
„Impuls zmittag“ endet nicht mit dem Projektzeitraum. Das Format wird unter dem Namen „Impuls“ zu einem festen Bestandteil der Arbeit im Open Place Kreuzlingen weiterentwickelt – jedoch in angepasster Form. Der Mittwochnachmittag als fester Termin wird aufgegeben, um flexibler und für eine breitere Zielgruppe zugänglich zu werden. „Wir wollen Menschen erreichen, die bislang aus zeitlichen oder strukturellen Gründen nicht teilnehmen konnten“, heißt es aus dem Projektteam.
Der Bedarf ist da, die Nachfrage aus der Region ebenfalls. „Impuls“ soll diesem Bedarf langfristig gerecht werden – als etabliertes, niederschwelliges Begegnungsformat im Dreiländereck. Damit der Tisch gedeckt bleibt. Und damit weiterhin Menschen daran Platz nehmen, die sich anderswo vielleicht nie begegnet wären.