Was für ein Segen

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Das Wochenende rund um den Samichlaus-Tag war im Open Place geprägt von Begegnungen, Stallwärme und einer kurzen Nacht. Ungewöhnlich für eine Kirche – und doch mitten im Herzen des christlichen Glaubens.
Benjamin Arntzen,
Mit dem Seminar «Martinsmantel – Diakonie, Seelsorge und Architektur als drei Fäden des gleichen Stoffs» durften wir eine besondere Zeit erleben. Studierende der Theologischen Fakultät Zürich, begleitet von Prof. Ralf Kunz und Prof. Christoph Sigrist, reisten am Freitagnachmittag zu einem zweitägigen Seminar nach Kurzrickenbach. Begrüsst wurden sie nicht nur vom Team des Open Place, sondern auch von Studierenden der HTWG Konstanz, die mit Prof. Myriam Gautschi und Architekt Roberto Rossi die Ergebnisse ihres Seminars präsentierten, das in diesem Jahr bei uns stattgefunden hatte.
Doch es sollte nicht beim Rückblick bleiben – der Faden wurde weitergesponnen: Was braucht Kirche im Sozialraum? Und was braucht es, damit Gott im Sozialraum ankommt?

Erster Schritt: Türen auf

Dass Kirche oft ein Ort der Älteren ist, gehört zur Realität. Nicht mehr alle Schichten des gesellschaftlichen Lebens spiegeln sich selbstverständlich innerhalb ihrer Mauern. Umso schöner war es, 30 junge Menschen bei uns zu sehen – suchend, fragend, miteinander ringend um das, was es heisst, mit Gott zu leben und diesen Glauben sichtbar zu machen.
Aus unterschiedlichen Haltungen, Traditionen und Standpunkten entstand am Freitagnachmittag ein Seminar, das nicht alle Fragen beantworten konnte – aber dafür viele neue öffnete. Ein Seminar, das neugierig machte, inspirierte und weiterführte.

Stadtraum-Erkundung

Nach dem Seminar konnten viele dieser Fragen in geselliger Runde bei einem Abendessen in der Kirche weitergesponnen werden – und später im Horst-Club Kreuzlingen ihre Fortsetzung finden.
Den Vorschlag von Christoph Sigrist, den Skate-Bowl des Horstes mit Weihwasser zu füllen, um dort Taufen zu ermöglichen, lassen wir an dieser Stelle ebenso unkommentiert wie das «T» im Namen desselben Nachtclubs. Nicht aus Pietät, sondern weil Symbole manchmal weniger verbinden, als echter Austausch und echte Begegnung es können.
Nach bereichernden Gesprächen mit Leon, Stefan und Julian, die im Horst arbeiten, wartete bereits das nächste Abenteuer auf die Studierenden: eine Nacht allein in der Kirche.

Nacht in der Kirche

Auf Matratzen, die wir uns kurzerhand vom Schulzentrum nebenan ausgeliehen hatten, verbrachten sie gemeinsam mit ihrem Dozenten die Nacht auf unserem Kirchenboden. Beim Frühstück am nächsten Morgen zeigte sich, dass dieses Experiment ebenso spannend wie kurz gewesen war. Ob es in jener Nacht tatsächlich an der Tür geklopft hat und jemand Einlass suchte – das lassen wir offen. Für uns aber steht fest: Es war nicht das letzte Mal, dass wir in unserer Kirche ein Nachtlager aufgeschlagen haben.

Lebendige Steine und ein wärmender Mantel

Nach einer weiteren Seminareinheit – inklusive eines Rundgangs und einem Gespräch mit den Mitarbeitenden des Open Place – wurde ab 11 Uhr in unserer Kirche der Samichlaus-Gottesdienst gefeiert. An festlich gedeckten Tischen kam eine Gemeinschaft zusammen, wie sie vielfältiger kaum sein könnte.
In der Predigt zum Petrusbrief bekamen die lebenden Steine eine Stimme. Lebende Steine, auf denen wir Kirche bauen. Lebende Steine, die sich an diesem Samstagmittag – und schon an den Tagen davor – in der Kirche Kurzrickenbach zu einer tragenden Gemeinschaft verbunden haben.
Als Zeichen der Tragfähigkeit dieses Ideals und jedes einzelnen Ecksteins wurde der Gottesdienst nicht nur von Pfarrer Damian Brot gestaltet, sondern von unzähligen Mitarbeitenden, freiwilligen Helfenden und Freundinnen des Open Place.
Unser herzlicher Dank gilt Uwe Aschenbrenner für sein wunderbares Gebet, Susanne Gerulies für die Lesung aus dem Buch Jesaja und Ursula Gügel für die Fürbitten. Ebenso danken wir Christopher für sein Oboenspiel sowie den Gospel Joy Singers, die den Gottesdienst musikalisch getragen und bereichert haben. Ein besonderer Dank geht an Petrus Masollek und seinem Küchenteam – meist im Hintergrund, und doch unentbehrlich.
Wir danken Benjamin Arntzen für das Bild des neuen Mantels aus vielen kleinen Stücken und Pfarrer Stefan Hochstrasser, der mit seiner Gitarre den Raum füllte und unsere Herzen gleich mit.
Und schliesslich danken wir all den Gästen, die mit offenen Herzen zu uns gekommen sind und diesen Tag zu dem gemacht haben, was er war: lebendig, getragen, verbunden.
Auch Samichlaus selbst erwies sich als einer dieser lebendigen Steine und stattete uns zum Abschluss des Gottesdienstes einen Besuch ab. Mit Geschenken für alle Anwesenden wurde der Gottesdienst zu einem besonderen Erlebnis – für Gross und Klein.

Dank und Begrüssung

Ein besonders herzlicher Dank und ein wertvolles Geschenk galten Peter Gysler, den wir an diesem Tag aus seiner aktiven Arbeit im Open Place verabschiedet haben. Peter war beinahe von Anfang an mit seinen Taten, seinen Gedanken und seinem Herzen ein tragender Pfeiler der Entwicklung der vergangenen elf Jahre. Ob als Präsident oder Kassier – er war ein ruhender Pol, den wir gewiss vermissen werden.
Obwohl sie an diesem Tag nicht persönlich anwesend sein konnte, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, Käthy Natterer für ihre Führung als Präsidentin der Kommission Open Place zu danken. Mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Art hat sie dem Open Place wertvolle Impulse geschenkt und entscheidend mitgeprägt. Auch wenn ihre Amtszeit kurz war – sie war bedeutend. Käthy hat einen bleibenden Beitrag zur Ausrichtung und Entwicklung unseres Hauses geleistet, wofür wir ihr von Herzen dankbar sind.
Mit nicht weniger grosser Freude durften wir zudem unsere neue Präsidentin Gabi Hahn in die Gemeinschaft des Open Place aufnehmen.

Ein grosser Moment.
Ein hoffnungsvoller Ausblick.
Wir freuen uns auf den Weg, der vor uns liegt.

Siehe auch » Stallwärme im offenen Raum – Gedanken zum Open Place in Kreuzlingen

Gott im Sozialraum
08.12.2025
13 Bilder
Fotograf/-in
Benjamin Arntzen